news & artikel

News - 27.10.2003

Solar Millennium AG

Mit Sonne zum Erfolg

Erlanger Firma plant Bau von Solar-Großkraftwerken
Projekt von Solar Millennium soll 2004 gebaut werden...

Erlanger Firma plant Bau von Solar-Großkraftwerken
Projekt von Solar Millennium soll 2004 gebaut werden

Von Christine Rommel (Erlanger Nachrichten, 10.10.2003)

Die Sonne ist eine kostenlose und in unseren Zeitdimensionen unerschöpfliche Energiequelle, soweit besteht Einigkeit. Wie diese unversiegbare Quelle jedoch effektiv und wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden kann, scheint weit weniger trivial. Eine Erlanger Firma plant nun die sogenannte Solarthermie mit einem der größten Solarstandorte der Welt kommerziell zu nutzen. Schon 2004 soll das Projekt „AndaSol" der Solar Millennium AG in die Bauphase gehen.

Auf einer Fläche von zwei Mal 200 Hektar werden in der spanischen Provinz Granada meterhohe Parabolspiegel die Sonnenstrahlen einfangen, die dann zunächst in Wärmeenergie umgewandelt werden. Mit Hilfe von Dampfturbinen erzeugt diese Wärmeenergie schließlich Strom. Nachts und bei Bewölkung bleibt die Stromversorgung durch einen thermischen Salzspeicher zuverlässig. Der mit den beiden Kraftwerken erzeugbare Solarstrom, jährlich je 157 Gigawattstunden, könnte den gesamten elektrischen Jahresenergiebedarf einer Stadt in der Größe Erlangens abdecken. Henner Gladen, Aufsichtsratsvorsitzender der Solar Millennium AG, betont: Mit Solarthermie erzeugen wir emissionsfrei und vorhersagbar netzstabilen Strom aus einer kostenlosen Energiequelle." Und die solarthermische Technik ist markterprobt: In Kalifornien wird schon seit 1985 solarthermischer Strom ins amerikanische Netz eingespeist.

Erst vor kurzem ist Solar Millennium der endgültigen Realisierung Ihres Vorhabens wieder ein erhebliches Stück näher gerückt. Eine große spanische Baufirma, die ACS Cobra, konnte vertraglich mit ins Boot geholt werden. Nun muss nur noch eine Umweltverträglichkeitsstudie abgeschlossen werden und die Verhandlungen mit den Banken können beginnen.

Die Solar Millennium AG residiert bereits seit 1998 auf der idyllischen Neumühleninsel im Westen Erlangens und fast ebenso lange läuft auch die Planung für die so genannten Parabolrinnenkraftwerke. Nach jahrelangen Probemessungen und deren exakter Auswertung mussten zahlreiche Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden, um eine Einspeisevergütung, verschiedenste Genehmigungen und die Finanzierung des 400-Millionen-Euro-Projektes zu sichern.

Die Finanzierung in der Planungsphase wurde zu Beginn nur durch die inzwischen etwa 1300 Aktionäre der Solar Millennium AG getragen. Nun sind auch hohe staatliche Förderungen zugesagt. Aktionäre der AG sind ausschließlich Privatpersonen: Zahlreiche Ingenieure, Ärzte, Lehrer, Krankenschwestern oder Pfarrer zählen dazu.

Auch ethische Motive
Vorstandsvorsitzender Helmut Pflaumer resümiert: „Darunter sind viele Leute, die unsere Welt ihren Enkeln nicht so hinterlassen wollen, wie sie jetzt ist." Neben ethisch Motivierten gibt es jedoch auch vorwiegend wirtschaftlich Interessierte, die auf die Sonnen-AG setzen. Und der Börsengang ist schon geplant: Ab 2006, also mit voraussichtlichen Beginn der Stromproduktion in Granada, soll den Anlegern damit eine „ordentliche Rendite" gesichert werden. Die Durchführung in Spanien wird in der 18-monatigen Bauphase 600 Arbeitskräfte und später 50 permanente Mitarbeiter erfordern. Der „Kopf“ der Firma in Erlangen und die technische Abteilung in Köln sollen weiter von Deutschland aus ihr Know-how exportieren. Auch die Fertigung der Parabolspiegel und von Absorberrohren erfolgt über deutsche Firmen.

Kraftwerke auf deutschem Terrain sind nicht geplant, denn in sonnenreichen Ländern wie Spanien oder Algerien kann mit gleichen Mitteln drei Mal so viel Strom gewonnen werden wie hierzulande. Bei entsprechendem Netzausbau könnte dieser Solarstrom aber mit vergleichsweise geringen Verlusten auch nach Deutschland kommen. Noch immer ist der „saubere" Strom teurer als die fossile Konkurrenz. Mit jedem neuen Sonnenkraftwerk nähert sich der Preis jedoch an. Und Gladen gibt zu bedenken, dass fossile Energie wohl ab 2008 in 140 Ländern, darunter auch Deutschland, teurer wird: Gemäß Kioto-Protokoll wird dann nämlich ein zu hoher CO2-Ausstoß -hauptverantwortlich für die globale Erwärmung- finanziell bestraft. Henner Gladen, der selbst jahrelang in der Sicherheitstechnik für Atomkraftwerke tätig war, betrachtet den allmählichen Wandel auf dem Energiemarkt ganz pragmatisch: „Auch Uran ist wie Kohle oder Gas eine endliche Ressource. Und irgendwo muss die Energie dann ja herkommen. Die Solarthermie hat dabei einfach das größte Marktpotenzial".

Mit dem spanischen Projekt will die Erlanger Firma aber erst den Anfang machen. Unter anderem hat Jordanien Interesse an einem noch größeren Solarkraftwerk bekundet und Verhandlungen in Griechenland und dem ganzen Vorderen Orient sind im Gange.

Solar Millennium Ag

Quelle