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News - 04.11.2003

Solar Millennium AG

Solar Millennium AG baut in Spanien die weltgrößte Solarkraftwerks-Anlage - Branche hofft auf neue Exportchancen...

www.welt.de / von Michaela Geiger

Erlangen - Der Energietechnik-Spezialist Solar Millennium AG, weltweit führend bei der Entwicklung von Sonnenkraftwerken, steht kurz vor dem Durchbruch zur großindustriellen Fertigung seiner technologischen Entwicklungen. In der südspanischen Provinz Granada sollen ab 2004 die beiden ersten solarthermischen Großkraftwerke mit einer Leistung von je 50 Megawatt gebaut werden. Die Bayern nutzen dabei ihre Parabolrinnen-Technologie, die sich im Praxistest in den USA bereits bewährt hat.

Jährlich werden pro Anlage 157 Gigawattstunden Solarstrom in das spanische Stromnetz eingespeist, was jeweils dem jährlichen Energiebedarf einer Großstadt mit 180 000 Einwohnern entspricht. In Andalusien entsteht dann mit 1,1 Mio. Quadratmeter Kollektorfläche der weltgrößte Solarkraftwerks-Standort.

Mit positiv abgeschlossenen Anhörungsverfahren der Anliegergemeinden sind jetzt die Voraussetzungen geschaffen, die bislang landwirtschaftlich genutzten Flächen für den Betrieb der Solarkraftwerke zu nutzen und das Genehmigungsverfahren bis zum Herbst abzuschließen. Immerhin werden pro Kraftwerk je 200 Hektar Bodenfläche für 624 Kollektoren mit rund 200 000 Spiegeln benötigt - eine Fläche, auf der annähernd 200 Fußballfelder Platz hätten.

Der Einspeisung von solarthermisch erzeugtem Strom aus den neuen Kraftwerken in das öffentliche Hochspannungsnetz - Basis für einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen - hat die spanische Regierung zugestimmt. "Wir stoßen mit unserem Projekt überall auf offene Ohren, weil wir Arbeitsplätze schaffen", sagt Solar-Vorstandschef Henner Gladen. Rund 600 Arbeitskräfte pro Kraftwerk werden in der je 18-monatigen Bauphase benötigt. Für den Betrieb der Anlage will Solar Millennium permanent rund 50 Mitarbeiter pro Kraftwerk beschäftigen. Der Betriebsbeginn für das erste Werk ist für 2006 vorgesehen. Das gesamte Investitionsvolumen beträgt rund 380 Mio. Euro.

Mit dem Bau der beiden Großkraftwerke in Spanien sieht sich Solar Millennium auf dem Sprung in ein neues Energiezeitalter und an der Spitze einer neuen Exportoffensive der deutschen Wirtschaft. "Wir haben unsere Geschäftstätigkeit auf den riesigen Zukunftsmarkt der Solarthermie ausgerichtet. Immer mehr Länder begreifen, dass es höchste Zeit ist, zu reagieren und die Weichen neu zu stellen für die Zeit nach dem Ende des fossilen Energie-Zeitalters", sagt Helmut Pflaumer, Aufsichtsratschef der Solar Millennium.

Bei der Solarthermie wird die Wärmeenergie der Sonne in Strom umgewandelt. Fachleute der Weltbank und der Internationalen Energieagentur bewerten die solarthermische Energieerzeugung als die chancenreichste und wirtschaftlichste Technologie, Sonnenenergie zur Stromerzeugung zu nutzen. "Mit unserer Unterstützung sollen Solarkraftwerke deutsche Exportschlager der Zukunft werden", sagt Bundesumweltminister Jürgen Trittin. Seit Anfang des Jahres fördert die Regierung die internationale Markteinführung der Hochtemperatur-Solarthermie im Zukunftsinvestitionsprogramm mit zehn Mio. Euro.

Das bisherige Fördergeld investierten die rund 35 Ingenieure, Projektmanager, Wissenschaftler und Finanzexperten der 1998 gegründeten Solar Millennium in die Projektentwicklung an Standorten im Sonnengürtel rund um den Erdball und forcierten dabei die Forschung und Entwicklung von solarenergetisch betriebenen Parabolrinnen- und Aufwind-Kraftwerken.
Bei Parabolrinnen-Kraftwerken wird die Wärmestrahlung der Sonne mit Spiegeln eingefangen und die Hitze auf ein Absorberrohr konzentriert. Das darin zirkulierende Öl erhitzt sich auf etwa 400 Grad Celsius und gibt die Wärme an einen Dampfkreislauf ab. Dieser Dampf treibt konventionelle Turbinen zur Stromerzeugung an.

Aufwind-Kraftwerke kombinieren drei seit der Antike bekannte physikalische Prinzipien: Kaminzug, Gewächshaus und Windrad. Unter einer riesigen Glasfläche wird Luft durch Sonneneinstrahlung erwärmt. In der Mitte des Glasdaches steht ein hoher Kamin, in dem die aufsteigende Luft beschleunigt wird. Beim Aufstieg treibt die Luft eine Windturbine an, die mittels Generatoren elektrische Energie erzeugt. Aufwind-Kraftwerke eignen sich besonders für den Einsatz in extremen Trockenzonen der Erde. Die Technik wurde in Spanien bei einem Pilotprojekt bereits erfolgreich getestet. Von der Vision zur Marktreife werden aber noch Jahre vergehen.

Artikel erschienen am 8. Jul 2003

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